Ötztaler Alpen

Tourenwoche mit unseren Freunden vom Klub èeských turistù Tábor

Im Juli 2002 treffen wir zum 8. Mal die Bergkameradinnen und -kameraden des Touristenklubs Tábor. Für unsere gemeinsamen Unternehmungen hatten wir die vielfältige Landschaft der Ötztaler Alpen mit ihren eisbedeckten Bergen, weiten Firnkesseln, reizvollen Höhenwegen, hochgelegenen Hütten, zahlreichen Bergseen, Wildbächen und Wasserfällen, Zirbenwäldern und Alpenrosenfeldern ausgewählt. In der Talherberge in Zwieselstein, einer Selbstversorgerhütte der Sektion Regensburg, fanden wir in den reservierten Lagern eine angenehme Unterkunft. Der Regensburger Bergkamerad Lenz, der die Hütte aushilfsweise betreute, war uns ein angenehmer Partner.

Leider zwang das unbeständige Wetter zu Abstrichen bei den Tourenzielen. Doch wenn ich das Juliwetter insgesamt betrachte, dürfen wir mit dem Erreichten zufrieden sein. Mit den hochmotivierten Freunden waren wir jeden Tag unterwegs; sie ließen sich auch von Regenschauern, die uns am Schwarzkogel, am Wilden Männle oder am Höhenweg unter dem Brunnenkogel überraschten, nicht beeindrucken.

Die 9 Teilnehmer der Sektion Konstanz trafen nach dem Besuch des Dorfes Ötz und seiner Kirche sowie der Besichtigung des Stuiben-Wasserfalles am frühen Nachmittag in Zwieselstein ein. Zwei Stunden später konnten wir unsere Freunde aus Tábor, die eine wesentlich weitere Anfahrt hatten, begrüßen und mit ihnen noch eine Wanderung auf dem E5 Richtung Timmelsjoch unternehmen.

Am Montagmorgen schwebten wir von Obergurgl mit dem Sessellift zum Brugboden. Nach gemeinsamer Wanderung zur Schönwieshütte wählte eine Gruppe den Aufstieg zur 2430 m hoch gelegenen Langtalereck-Hütte. Die zweite Gruppe folgte dem Pfad, der auf dem breiten Nordwestrücken, durch eine Geröllflanke und über den Westgrat zum Gipfel des Hangerer (3021 m) führte. Wie in einem aufgeschlagenen Bilderbuch präsentierte sich hier die Umgebung.

Bei unsicherer Wetterlage zogen die Bergsteiger am Dienstag von Hochsölden bergwärts. Ziele waren zunächst die Rotkogelhoch-Hütte, dann der Schwarzsee. Trotz einsetzenden Regens erreichten wir das 3016 m hohe Schwarzhorn, und ich staunte, als auch Jiøí, der nur bis zum Schwarzsee steigen wollte, am Gipfel erschien. Als wir wieder bei der Hütte eintrafen, blinzelte ein wenig die Sonne. Auf meine im Spaß gestellte Frage, wer noch zum 2947 m hohen Rotkogel aufsteigen möchte, meldeten sich mir Richard, Maria und Jindra sofort 3 Anwärter. Nach 40 Minuten standen wir erneut unter einem Gipfelkreuz, diesmal mit prächtigen Tiefblicken zur Hütte und Kapelle am Rotkogelhoch, auf den mit Eisschollen überzogenen Schwarzsee und hinüber zur Erhebung des Schwarzkogels. In Obergurgl trafen wir unsere Freunde wieder, die mit Erika eine Höhenwanderung gegen das Rettenbachtal unternommen hatten.

Als Mittwoch düstere Wolken unseren Entschluss bestimmte, nur einen Höhenweg zu begehen, mussten Paul, Brigitte und Irene wegen Verpflichtungen auf der Gauenhütte bereits die Heimreise antreten. Wir wanderten von Zwieselstein durch die Kühtraienschlucht über der wilden Ötztaler Ache zur Moosalpe, dann hinauf zur Brunnenbergalp, wo der Himmel wieder kurz seine Schleusen öffnete. In der Westflanke des Brunnenkogels führte ein von Blumen reich gesäumter, aussichtreicher Höhenweg zurück nach Zwieselstein.

Am Donnerstag fuhren wir nach Vent. Während eine kleine Gruppe zu den Rofenhöfen und ins Rofental wanderte, steigen wir auf zur Alm Stablein und weiter zum 3023 m hohen Wilden Mannle. Tiefhängende Wolken bescherten und Regen- und Graupelschauer, die nur spärliche Ausblicke auf den Rofenkar-Ferner und die Grate der Wildspitze zuließen. Beim Abstieg hellte es auf, und so stapften wir noch hinauf zur Breslauer Hütte, wo gleichzeitig Bergsteige eintrafen, die einen Besteigungsversuch der Wildspitze im Nebel Abbrechen mussten.

Bei schönem Wetter starteten wir zu unserer Freitagstour in Hochgurgl. Erika hatte mit ihrer kleinen Schar das einsame Königstal mit dem 2825 m hohen Königsjoch als Ziel gewählt. Ich stieg mit meiner Gruppe durch das ruhende Pistengebiet von Groß- und Plattenkar aufwärts zum 3082 m hohen Wurmkogel. Über Schneefelder erreichten wir die Wurmkogelhütte, in leichter Kletterei den Gipfel. Tief unten erspähten wir auf der einen Seite das Timmelsjoch. Auf der anderen Seite konnten wir mit dem Fernglas unsere Wandergruppe an der Zollhütte und am Königsjoch ausmachen. Im Süden grüßten die Dolomiten.

Samstag war letzter Tourentag. Von Sölden gelangten wir auf der Mautstrasse zum Retenbachferner und durch den Tunnel zum Restaurant Tiefenbach. Stahlblau wölbte sich der Himmel über dem Tiefenbachgletscher, als wir zum Joch emporstrebten. Hier erreichten wir den Südgrat der Inneren Schwarzen Schneide, der mit seiner Steilheit im oberen Bereich Respekt einflösste. Vorsichtig kletterten wir im Blockgestein aufwärts, und ich freute mich, dass alle Teilenehmer die Kletterei so gut bewältigten. Im oberen, steilen Fels erleichterten Seilversicherungen den Aufstieg. Ein breiter Grat führte hinüber zum höchsten Punkt von 3367 m. Bei diesem Traumwetter und der grandiosen Aussicht über Ötztaler-, Pitztaler- und Stubaier Berge, Gletscher und Täler gönnten wir uns eine längere Gipfelrast, Glanzpunkte im Panorama waren Wildspitzem Similaun und Zuckerhütl. Auch unser 79jähriger Ehrenvorsitzender Fritz Schafheutle war begeistert. Nach dem Abklettern zum Joch lockte uns noch der 3307 m hoher Tiefenbachkogel.

Erika führte an diesem sonnigen Tag eine abwechslungsreiche Tour im grünen Bereich. Sie war mit ihrer Gruppe von Zwieselstein zur Gaislach-Alm aufgestiegen, auf dem Höhenweg zur Mittelstation der Seilbahn gewandert, nach Sölden abgestiegen und durch die Kühtraienschlucht nach Zwieselstein zurückgekehrt.

Bei den Hüttenabenden wurde gemeinsam das Essen zubereitet, bei Spiel und Gesprächen unsere Freundschaft gefestigt. Als wir am Sonntagmorgen unsere tschechischen Freunde verabschiedeten, hatten wir bereits vereinbart, dass wir und im nächsten Jahr auf der Gauenhütte, im Jahr 2004 im Riesengebirge wieder treffen wollen

Raimund Steinhoff

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