Wandertourenwoche mit dem Touristenklub Tábor

im Bayerische- und Böhmerwald vom 4. bis 11. Juni 2006

Zur zwölften Begegnung und der zehnten gemeinsamen Tourenwoche trafen sich die Freunde der Sektion Konstanz und des Touristenklubs Tábor im verträumten Bergdorf Hojsova Strហim Böhmerwald. Um die alte Kirche und den Friedhof dessen Grabsteine und - kreuze überwiegend deutsche Namen trugen, scharte sich der kleine Ortskern mit unserer Pension Vyhlídka. Weitere Häuser lagen an den Hängen der Umgebung. Mächtige alte Lindenbäume verdienten unsere Aufmerksamkeit. Ausgedehnte Wälder prägten das Landschaftsbild. Bei einer Rundwanderung, die zur Ruine einer alten Mühle führte, lernten wir die Umgebung kennen.

Am Montag wanderten wir durch den Wald hinab zum Bahnhof, und mit dem Zug erreichten wir Železná Ruda - Tschechisch Eisenstein. Auf einem Kreuzweg gelangten wir zu einer malerischen Kapelle und durch den Wald zum Gasthaus auf dem 1214 m hohen Pancíø, dessen Turm uns eine lohnende Rundschau gewährte. Nächstes Ziel war der 1234 m hohe Mùstek, Absteigend erreichten wir wieder den Ausgangspunkt der Tour.

Der folgende Tag brachte uns nach Bayern. Auf dem Parkplatz in Oberfrauenau stellten wir die Fahrzeuge ab. Wir folgten dem Rachelsteig, der über Rachelwiese, am Waldschmidthaus vorbei, zum 1453 m hohen, mit einem Kreuz gezierten Großen Rachel führte. Beim Abstieg durch die Ostflanke zur Rachelkapelle boten die riesigen toten Wälder einen erschreckenden Anblick. Während in Tschechien tote Bäume abgeholzt wurden und die Aufforstung wieder eine grüne Landschaft präsentiert, ging man in Bayern bisher von der irrigen Annahme aus, der Wald würde sich selbst regenerieren. Nachdenklich erreichten wir den malerischen Rachelsee und später den Ort Spiegelau, von dem nach Abholung der Pkw die Rückfahrt erfolgte.

Am Mittwochvormittag besuchten wir, von Sattel am Spièák ausgehend, Teufels- und Schwarzsee. Beide Seenspiegel, von Wald umgeben, zeigten sich dunkel und geheimnisvoll. Nur auf der Oberfläche tummelten sich ein paar Stockenten mit ihren Jungen. Am Nachmittag verließen wir südlich von Bayerisch Eisenstein die Hauptstraße, um zum Zwieslerwaldhaus aufzufahren. Zunächst folgten wir dem Schillerweg, dann zogen wir durch die Südflanke in Kehren hinauf zum 1315 m hohen Großen Falkenstein. Nach Regen in den letzten Höhen Metern schien auf dem oberhalb des Bergasthauses gelegenen Gipfel wieder die Sonne. Die baumfreie Aussichtskanzel überraschte mit prächtigen Tiefblicken. Beim Abstieg lockten die Felsen des Kleinen Falkensteins - 1150 m - zu einem kurzen Verweilen, bevor wir durch den alten, geschützten Baumbestand zum Ausgangspunkt zurückkehrten.

Der nächste Tag brachte die Gruppe zunächst nach Kašperské Hory, wo das historische Zentrum der Stadt zu besichtigen war. Vom Dorf Javorník wanderten die Freunde zum gleichnamigen Gipfel (1065 m), um den Klostermann-Aussichtsturm zu besteigen, der eine umfassende Rundsicht bot. Weiter führte die Fahrt nach Husinec, dem Geburtsort von Jan Hus. Hier konnten wir das Museum besichtigen und an einer Führung teilnehmen. Die Verbindung zu Konstanz kam in historischen Bildern und Schriften zum Ausdruck. Auch die Konstanzer Straße wurde in diesem Ort gefunden. Letztes Ziel der Reise war die Stadt Prachatice, in der Jan Hus zur Schule ging. Hier lernten wir die Altstadt mit ihren malerischen, mit Fresken und Grafitti geschmückten Gebäuden und die St. Jakobs-Kirche kennen. Steile Treppen führten im Turm zu einer Aussichtskanzel hoch über der Altstadt. Die Rückfahrt durch den Hügeligen Böhmerwald beschloss den erlebnisreichen Tag.

Am Freitag brachen wir zum Besuch der Arberseen und zur Besteigung der Arbergipfel auf. Von Bayerisch Eisenstein fuhren wir hinauf zum Brennes-Pass. Absteigend erreichten wir den zauberhaften Kleinen Arbersee mit den drei schwimmenden Inseln, aufsteigend die Chamerhütte und den Kleinen Arber (1384 m). In östlicher Richtung lag uns der Große Arber - 1456 m - unmittelbar gegenüber. Auf einem gut ausgebauten Steig wanderten wir später hinüber zur waldfreien Gipfelkuppe mit seinen vier felsigen Erhebungen und den beiden Observatorien. Die prächtige Aussicht wurde nur von einigen Wolken beeinträchtigt, die dunkle Schatten über Täler und Höhen des Bayerischen- und Böhmerwaldes warfen. Mit einem steilen, steinigen Pfad begann der Abstieg zum Großen Arbersee, für uns Endpunkt der Überschreitung des höchsten Berges des Bayerischen Waldes.

Mit den Osser-Gipfeln stand am letzten Tag ein grenzüberschreitendes Ziel in unserem Tourenprogramm. Vom bayerischen Dörfchen Lam, über Bayrisch Eisenstein und Brennes-Pass erreicht, schritten wir auf einem Weg durch blühende Wiesen und Fichtenwald zur Maria Hilf-Kapelle. Durch die Thürsteiner Hänge führte unsere Route zu einer felsigen Kanzel und weiter zum Kleinen Osser (1168 m). Der Große Osser mit dem Albert Wilmann-Haus - 1293 m - war nicht nur für unsere Gruppe, sondern zahlreiche Wanderer, die aus Tschechien und Bayern heraufkamen, ein lohnendes Ziel. Vom Gipfelkreuz konnten wir noch einmal die Aussicht in die Nationalparks beider Länder genießen. Wir waren beeindruckt von den riesigen Waldflächen, die Höhenzüge und Täler bedeckt. Der lange Abstieg führte hinab zu den verstreut liegenden Häusern von Hamry in ein liebliches Tal. Während die Autofahrer zur Rückholung der Pkw nach Lam starteten, begann für die Wanderer noch ein einstündiger Aufstieg zu unserer Herberge.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die geselligen Abende mit anregenden Gesprächen, mit Spielen und dem Singen von deutschen und tschechischen Liedern. Damit haben Konstanzer und Táborer ihre Freundschaft, die in der Städtepartnerschaft ihren Ursprung hat, gefestigt und zur Völkerverständigung beigetragen.

Mit einem herzlichen Abschied fand die Tourenwoche am Sonntagmorgen ihren Abschluss. Mein Dank gilt Richard Èerný für seine Mühe bei den Vorbegehungen, der Suche nach einem Quartier für unsere große Gruppe - 13 Konstanzer, 10 Táborer - der Umsicht bei den Touren und sein Organisationstalent. Vereinbart wurde, sich im kommenden Jahr zu gemeinsamen Bergtouren auf der Gauenhütte wieder zu sehen

Raimund Steinhoff

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