Tourenwoche mit den Freunden aus Tábor

Bei der elften gemeinsamen TourenWoche unserer Sektion mit dem Touristenklub Tábor war zum fünften Mal die sektionseigene Gauenhütte Stützpunkt gemeinsamer Unternehmungen

Die Konstanzer Gruppe mit Fritz Schafheutle, Edith Hanik und Elfriede Müller, Paul-Jürgen Laskovski, Reiner Muck, Klaus Schiffer sowie Erika und Raimund Steinhoff war bereits am Sonntagmorgen zur Hütte aufgestiegen. Die Gaste mit Marie Bláhová, Zuzana Sekalová, Stanislav Sastný und Frau Zdeòka, Evžen Ressl und Pavel Matoušek, Jan und Václav Sedláèek sowie ihrem Leiter Richard Èerný trafen nach langer Anfahrt am Nachmittag ein und wurden in Latschau abgeholt. Die Konstanzer Paul und Brigitte Seeberger, Irene Riedlinger, Gerhard Englisch, Gerburg Adam, Erwine und Gerd-Rainer Herguth stießen in den folgenden Tagen zur Gruppe.

Drusenfluh, Drusentürme und Geisspitze begrüßten die Gäste noch unter strahlend blauem Himmel beim Kaffeeplausch vor der Gauenhütte. Die Wetterprognose der folgenden Tage war mit Wolken, Regen und Kälteeinbruch wenig tourenfreundlich. Das brachte die Planung durcheinander. Doch alle Teilnehmer waren bereit, auch bei unbeständigem Wetter unterwegs zu sein und das Mögliche zu wagen. Am Montag führten Erika und ich die Gruppe über den Bilkengrat zur Scharte am Schwarzhorn und zur Tilisuna-Hütte. Eine aufziehende Wolkenfront zwang uns, zunächst auf die Besteigung der Sulzfluh, später auch auf die des Schwarzhorns zu verzichten. Während einige Teilnehmer mit Erika über Tobelsee und Alpila-Alpe direkt zur Gauenhütte abstiegen, strebten die übrigen mit mir über das Waiser Alpjoch zur Tschaggunser Mittagspitze - 2168 m -, die bei Sonnenschein prächtige Tiefblicke gewährte.

Mit Paul Seeberger zog die Schar am folgenden Tag - nach der Seilbahnauffahrt von Schruns zur Vorderkapell - durch Neuschnee, am Schwarz- und Herrsee vorbei, zur Wormser Hütte und hinauf zum Gipfel des Kreuzjochs auf 2395 m Hohe. Über den nach Süden ziehenden Rücken gelang noch die Überschreitung der 2388 m hohen Zamangspitze. Von der Wormser Hütte folgten die Bergsteiger Pfaden und Wegen hinab nach Schruns. Nach 1700 Abstiegshöhenmetern musste man zur Gauenhütte nochmals 230 Höhenmeter aufsteigend überwinden.

Die unsichere Wetterlage am Mittwoch und der angekündigte Regen ließen eine größere Unternehmung nicht zu. Der Wanderung durch den Wald zur Latschätzalpe folgte der Aufstieg zum Sattel unter dem Kreuzjoch. Wolken beherrschten den Grat und gewährten nur eine kurze Schau ins Rellstal und hinüber zum Saulakopf. Während Gerhard Englisch eine Gruppe über den Golmer Höhenweg zum Gasthaus an der Golmerbahn führte, folgten mir die übrigen Teilnehmer zum 2261 m hohen Kreuzjoch-Gipfel und zu den beiden Seen über dem Rellstal. Am Berggasthaus trafen wir wieder zusammen, um im Regen zur Station Matschwitz und über die Plazadels-Alpe ins Gauertal abzusteigen.

Am Donnerstag fuhr die Gruppe über Bludenz nach Feldkirch und Vaduz, über Triesenberg zum Berghaus Gaflei. Unter Leitung von Gerhard Englisch folgten die Bergbegeisterten dem Pfad, der zunächst durch Wald, später über den Fürstensteig durch die steilen Gipsbergwände in wechselvollem Auf und Ab zur Scharte am Alpspitz führten. Immer wieder beeindruckten die Ausblicke ins Rheintal. Am Joch wechselte das Grau der Felsen in eine grüne Landschaft. Durch die mit Legföhren bewachsenen Hänge schlängelte sich ein schmaler Pfad hinüber zum 2000 m hohen Gafleispitz. Vom Gipfelkreuz konnten wir noch einmal die Aussicht genießen. Über das Joch am Helawangspitz und den Bargällasattel kehrten wir zurück zum Ausgangspunkt.

Durch das Brandner Tal fuhren die Konstanzer und Taborer am Freitag hinauf zum Talschluss. Die Seilbahn brachte die Gruppe von Schattenlagant in wenigen Minuten zum Lünersee auf 1980 m Höhe. Paul Jürgen Laskovski führte die Gruppe auf dem Saulasteig durch die steilen Flanken des Schafgafalls zum Saulajoch und von dort durch die Südflanke und abschüssige Felspassagen zum 2517 m hohen Saulakopf.

Die hohe Warte gewährte eindrucksvolle Ausblicke ins Brandner- und Rellstal sowie hinüber zum türkisfarbenen Lünersee. Im umliegenden Gipfelreigen dominierten Zimba, Schesaplana, Drusenfluh und Drusentürme. Wir nahmen uns Zeit für die Gipfelschau und auch für das Absteigen im ungewohnt steilen Felsgelände.

Für den letzten Tourentag war eine leichte Wanderung gewünscht worden. So führte unser fast 84-jähriger Ehrenvorsitzende Fritz Schafheutle, der sowohl am Fürstensteig/Gafleispitz wie am Saulakopf seine gute Kondition bewiesen hatte, die Freunde hinauf zur Lindauer-Hütte und in den Alpengarten, wo er seine reichen botanischen Kenntnisse vermitteln konnte. Ein Trio unserer Gruppe wandte sich noch der Geisspitze zu. Auf dem Rückweg ins Gauertal kam uns unsere frischgebackene Wanderleiterin Erwine entgegen, die ihren Ausbildungskurs beim DAV an diesem Tage erfolgreich abgeschlossen hatte. Zum Gelingen der Tourenwoche trugen natürlich auch die fleißigen Helferinnen und Helfer bei - vom Einkaufen der Lebensmittel, dem Transport zur Hütte, dem gemeinsamen Kochen nach anstrengenden Touren, dem Spülen des Geschirrs. Reiner Muck ergänzte mit seinen gespendeten Gemüsekisten von der Reichenau den Speiseplan.

Unsere Gäste verwöhnten uns jeden Abend mit tschechischem Bier, das durstige Kehlen dankbar aufnahmen. Auch die Hüttenabende dienten der Völkerverständigung und bei anregenden Gesprächen, bei denen unsere tschechischen Freunde die deutsche Sprache besser beherrschten als umgekehrt, wurde klar, dass uns außer Freude an Natur, Bergen und Fotografieren noch viele gemeinsame Interessen verbinden. Spiele und Singen trugen zur weiteren Unterhaltung bei. Unsere Gedanken weilten aber auch bei Jiøí Žid und Olga Židová, die wegen Olgas Krankheit absagen mussten. Bei vielen Begegnungen war das Ehepaar dabei, und wir schätzten die liebenswürdige Art von Olga und ihre ausgezeichneten Deutschkenntnisse. Schon bald nach der Tourenwoche erhielten wir von Jiøí die traurige Nachricht von Olgas Tod. Wir werden sie bei künftigen Tourenwochen sehr vermissen.

Am Sonntagmorgen begleitete ich mit Sektionskameradinnen und -kameraden die Gäste hinab nach Latschau, während sich der übrige Teil unserer Gruppe bereits mit der gründlichen Reinigung der Hütte beschäftigte. Noch vor dem herzlichen Abschied war zwischen Richard und mir vereinbart worden, uns im nächsten Jahr zu einer Besichtigungs- und Wanderwoche wieder in Tschechien zu treffen.

Raimund Steinhoff